Archiv der Kategorie: Wirtschaft

Statistik zum Arbeitsmarkt in Bulgarien – mehr als jeder achte Arbeitsplatz ging durch Krise verloren

Wir haben einmal die Entwicklung des bulgarischen Arbeitsmarkt in den letzten drei Jahren in Form eines Diagramms dargestellt. Datenbasis sind die Erhebungen der bulgarischen Statistikbehörde. Das Nationale Statistische Institut (NSI) ist immer eine gute Anlaufstelle, wenn man aktuelle Zahlen zur Entwicklung in Bulgarien benötigt.

Die aktuellsten Daten stammen aus dem Monat September 2010, deshalb haben wir als Zeitraum für unsere kleine Untersuchung September 2007 bis 2010 gewählt.

Man kann erkennen, dass von September 2007 bis September 2008 noch eine Zunahme an Arbeitsplätzen im privaten Sektor zu verzeichnen war: Im September 2007 registrierte die Statistikbehörde 1.767.923 Beschäftigte mit einem Arbeitsvertrag – genauer Zeitpunkt für die Messung ist jeweils das Monatsende. Ein Jahr später waren es bereits 1.863.747. Bis zum September 2009 nahm die Zahl der Arbeitnehmer dann um 143.877 ab – auf 1.719.870 Arbeitnehmer. Seit dem Vorjahresmonat gingen weitere bulgarische Arbeitsplätze verloren, jedoch verlangsamte sich das Tempo etwas: Der Beschäftigungsstand von 1.621.392 im September 2010 liegt um 98.478 unter dem Vergleichsmonat im Vorjahr.

Arbeitsmarkt in Bulgarien 2010
Arbeitsmarkt in Bulgarien 2010

Der jedes Jahr im September zu beobachtende überproportionale Rückgang ist saisonal zu erklären – die für die bulgarische Wirtschaft sehr wichtige Sommerurlaubssaison neigt sich dem Ende zu. Dadurch fallen viele Arbeitsplätze in den Urlaubsgebieten am Schwarzen Meer weg, außerdem kehren bulgarische Saisonarbeiter aus dem Ausland in ihre Heimat zurück.

Massiver Beschäftigungsrückgang in Bulgarien

Das Bild, das sich anhand der Statistik ergibt, ist ernst: Der bulgarische Arbeitsmarkt ist innerhalb von zwei Jahren um fast 250 Tausend Arbeitsplätze geschrumpft – mehr als jeder achte Arbeitsplatz in der privaten Wirtschaft fiel der allgemeinen Wirtschaftskrise zum Opfer. Gegenüber der bereits zum Jahresanfang kritischen Situation zum Jahresanfang hat sich bisher keine Besserung eingestellt. Im staatlichen Sektor sind derzeit 576.695 Bulgarinnen und Bulgaren angestellt. Auch hier gab es in den letzten Jahren einen Stellenabbau – im Jahr 2007 zählte der öffentliche Bereich noch 661.101 Mitarbeiter.

Employer Branding – was ist das?

Eine Begriff hat in den letzten Jahren im Personalwesen zunehmend an Bedeutung gewonnen: Employer Branding, das in der englischsprachigen Literatur erstmals 1996 im Fachartikel „The Employer Brand“ von Tim Ambler und Simon Barrow im Journal of Brand Management auftauchte. Zielsetzung ist es hierbei, sich als attraktiver Arbeitgeber zu profilieren und eine positive Arbeitgebermarke zu formen.

Die Arbeitgebermarke – wichtiger als je zuvor

Durch diese Herausarbeitung und positive Besetzung der „Marke“ des eigenen Unternehmens, und hierbei versteht sich ausschließlich um das Branding als Arbeitgeber, soll die Effizienz der Personalrekrutierung, aber auch die Qualität der Bewerber dauerhaft ansteigen. Daneben sind Spill-over-Effekte auf die Produkt- und Dienstleistungsmarken im Dialog mit dem Konsumenten durchaus erwünscht, wenngleich sie bei der Konzipierung von Employer-Branding-Kampagnen nur indirekt berücksichtigt werden.

Wie wird nun der Wert einer Arbeitgebermare (bzw. der Erfolg der Erstellung einer solchen, also der Arbeitgebermarkenbildung) qualifiziert?

Definition von Employer Branding

Folgende Aspekte sind beim Aufbau einer Arbeitgebermarke von Bedeutung: Neben den Werten, die ein Unternehmen vertritt (Firmenphilosophie) spielen auch „harte“ Faktoren eine Rolle – wie die Vergütung oder die Attraktivität der Produkte, mit denen sich ein Unternehmen auf dem Markt positioniert. Werden den Mitarbeitern attraktive Karrierechancen geboten? Und wie wird die kommunizierte Employer Brand in der Realität gelebt – handelt es sich um eine integre Arbeitgebermarke oder ist das gesamte Employer Branding eine mehr oder weniger leere Hülle für einen unattraktiven Arbeitgeber?

Das Image des Unternehmens als Arbeitgeber spielt ebenfalls eine große Rolle: Beispielsweise auf nationaler oder gar globaler Ebene  – für Unternehmen in dieser Größenordnung werden regelmäßig Untersuchungen durchgeführt, etwa welcher Arbeitgeber bei Hochschulabsolventen derzeit am attraktivsten ist. Aber auch auf lokaler Ebene findet sich ähnliches – eine Firma, die beispielsweise mit Schulen zusammenarbeit, sich karitativ im Ort engagiert und nicht durch schlechte Medienberichte auffällt, stärkt ihr Image als attraktiver Arbeitgeber für die ortsansässige Bevölkerung.

Das Employer Branding ist ein andauernder Prozess. Geht es dem Unternehmen gut, wird es durch positive Unternehmenszahlen und -berichterstattung unterstützt. In Zeiten von Massenentlassungen gestaltet sich das Employer Branding dagegen schwieriger, aber auch hier können durch einen fairen Umgang mit freizusetzenden Arbeitnehmern positive Signale gesetzt werden.

Der Übergang vom Employer Branding zum Personalmarketing ist fließend, und gerade aufgrund der Tatsache, dass der Begriff Employer Branding erst seit wenigen Jahren in Gebrauch ist, sollte sich hier noch eine präzisere Nutzung der Begrifflichkeiten etablieren.

Messe Plovdiv: Herbstmesse noch bis zum 2. Oktober

Die Internationale Technische Messe Plovdiv findet jedes Jahr im Herbst statt. In diesem Jahr können sich Aussteller und Fachbesucher, aber auch alle privaten Messebesucher, die sich für moderne Technik interessieren, einen Eindruck über die Leistungsfähigkeit der bulgarischen Wirtschaft machen. Natürlich sind auch viele nicht-bulgarische Unternehmen präsent und stellen ihre innovativen Produkte und Dienstleistungen vor.

Ausgestellt werden Produkte aus den Bereichen Maschinenbau, aus dem Automobilsektor, den Bereich Transport, IT, Elektronik, Bau, der chemischen Industrie und vieles mehr. Die Herbstmesse Plovdiv gilt in Bulgarien als ein Pflichttermin für das produzierende Gewerbe, da die Messelandschaft relativ überschaubar ist.

Weitere Informationen erhalten Sie (in englischer Sprache) auf der offiziellen Internetseite der Messe Plovdiv. Die Messe findet in diesem Jahr vom 27. September bis zum 2. Oktober statt.

Sie vertreten ein international tätiges Unternehmen und möchten für den Aufbau Ihrer Vertriebsstruktur in Bulgarien die qualifizierten Dienstleistungen eines auf Bulgarien spezialisierten Personalberaters in Anspruch nehmen? Gerne vereinbaren wir mit Ihnen einen Gesprächstermin im Rahmen der Messe Plovdiv. Schicken Sie uns eine E-Mail oder rufen Sie uns an. Die Kontaktinformationen entnehmen Sie bitte dem Impressum.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und interessante Gespräche auf der Messe Plovdiv 2010.

DIHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2010 – es geht aufwärts

„Die Konjunkturerholung beschleunigt sich – und das über alle Wirtschaftszweige hinweg „, so DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben bei der Vorstellung der Ergebnisse der DIHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2010 in Berlin. An der Befragung nahmen mehr als 22.000 Unternehmen teil.  Aus den Ergebnissen kann unter anderem abgelesen werden, dass die Firmen ihre Investitionsbudgets am Standort Deutschland deutlich ausweiten, und auch ihre Beschäftigungspläne verbessern sich stärker als erwartet.

Erstmal seit Krisenbeginn bewerteten mehr Unternehmen ihre Lage mit „gut“ als mit „schlecht“  (28 Prozent gegenüber 18 Prozent). Auch die Erwartungen der Befragten geben Anlass zu weiterer Zuversicht: Die Konjunkturoptimisten haben mit 33 Prozent wieder eine satte Mehrheit gegenüber den Skeptikern mit 14 Prozent.

Wansleben betonte die Bedeutung des Exports, der sich einmal wieder als Zugmaschine der deutschen Volkswirtschaft beweise. „Dabei hilft die weltweite Präsenz deutscher Unternehmen – und auch die derzeitige Euroschwäche.“

Getrübt wurde dieses positive Bild durch die unsichere Finanzierungslage der Unternehmen, die der erfreulichen Gesamtsituation hinterherlaufe. „Etliche Betriebe berichten jedoch weiterhin von Finanzierungsschwierigkeiten bei der Bank.“, so DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier.

Vom Wiedererstarken der deutschen Volkswirtschaft sollte auch Bulgarien profitieren, dass für viele deutsche Unternehmen als Zulieferer arbeitet, etwa im Maschinenbau. Somit sind gute deutsche Nachrichten auch gute bulgarische Nachrichten – auch wenn hier mit einer Zeitverzögerung gerechnet werden muss, bis sich positive Auswirkungen bemerkbar machen.

Lage auf dem bulgarischen Arbeitsmarkt 2010

Etwa 100.000 Menschen, die in Bulgarien durch die Finanz- und Wirtschaftskrise ihren Job verloren haben, haben sich bei dem Arbeitsamt als arbeitslos nicht angemeldet oder sind in Arbeitsillegalität geraten. Im vierten Quartal des Jahres 2009 ist die Anzahl der Beschäftigten um 315.000 Menschen gesunken. Zur gleichen Zeitperiode hat sich jedoch die Anzahl der Arbeitslosen mit 100.000 Menschen erhöht und auf diese Weise sind etwa 215.000 Menschen außerhalb der offiziellen Statistiken geblieben. Die Lage am bulgarischen Arbeitsmarkt 2010 ist kritisch.

Nur 3 Millionen gehören zu der Gruppe der Beschäftigten in Bulgarien. Der Hauptgrund der wachsenden Arbeitslosigkeit ist klar: Eine Reduzierung der Beschäftigung im realen Sektor infolge der abgenommenen Wirtschaftsaktivität. Es sind aber auch weitere Gründe, die im globalen Sinn die Ursachen auch der Finanzkrise erklären. Bulgarien hat kleine und offene Wirtschaft und jede Veränderung der wirtschaftlichen Bedingungen im Ausland wirkt sich automatisch auf den bulgarischen Arbeitsmarkt aus.

Bulgarien ist so stark von der ausländischen Konjunktur abhängig, dass ein größer Teil der bulgarischen Arbeitnehmer und ebenso der Arbeitsgeber sehr flexibel sein muss, ständing neue Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben, sich von einem Sektor in einem anderen zu versetzen, um ihren Arbeitsplatz zu behalten.

Warum ist der bulgarische Arbeitsmarkt nicht mobil?

1) Ein gewisser Teil der Menschen im aktiven Alter stehen automatisch außerhalb dem Arbeitsmarkt. Nach den Daten der Nationalen Arbeitsagentur, gehören zu der Gruppe der dauernd Arbeitslosen (mehr als ein Jahr) vorwiegend Personen, die keine Qualifizierung (72.1%) oder Grundausbildung haben (69.4%), was für sie ein erhebliches Hindernis bei der Jobsuche ist.

2) Viele Arbeitslosen arbeiten wegen der hohen Arbeitsbesteurung auf dem grauen Markt. Für diese ist die 30% Besteuerung zum Nutzen des Staates ohne klare Vorteile daraus, ein Motiv auf dem grauen Markt zu arbeiten oder überhaupt nicht tätig zu sein.

3) Die Ausbildung, sowie die Grund-, als auch die Hochausbildung liefert nicht die notwendigen praktischen Kenntnisse, damit die Menschen später bei der Jobsuche genug flexibel zu sein.

4) Einige Menschen sind bei Branchen beschäftigt, die praktisch ihre Funktionalität aus der Vergangenheit verloren haben und nur dank staatlicher Zuschüsse weiterexistieren – etwa die Bulgarische Staatliche Eisenbahn, die Tabakindustrie, Landwirtschaft usw.

5) Etwa 20% der Beamten würden nach Schätzungen nicht flexibel sein, um im Fall einer Kündigung eine neue Arbeitsstelle aufzunehmen.

Trotz der Krise und der immer noch wachsenden Arbeitslosigkeit besteht auf dem bulgarischen Arbeitsmarkt ein dringender Bedarf an Fachkräften. Die Experten sprechen über eine Deformierung des bulgarischen Arbeitsmarkts angesichts der Tendenz, dass die meisten Menschen einen Beruf ausüben, welcher ihrer Ausbildung nicht entspricht.

Diese Nicht-Űbereinstimmung zwischen Angebot und Suche auf dem Arbeitsmarkt ist auch ein Grund dafür, dass vielen Menschen während der Krise gekündigt wurde und nur qualifizierte Spezialisten ihren Arbeitsplatz behalten haben. Viele junge Menschen studieren und arbeiten, was sich ergibt.

Das Ergebnis sind diplomierte junge Leute, die keine praktische Erfahrung haben und auch keine gute Perspektive für berufliche Realisierung im gleichen Bereich, für den sie an die Universität theoretisch vorbereitet geworden sind. Zu dieser Realität kommt die Tatsache hinzu, dass ein Teil der Beschäftigten in Bulgarien schon als disqualifiertes Personal gelten. Wörtlich ausgelegt, es handelt sich um zerrisene Verbindungen zwischen dem Ausbildungssystem und dem Business.

Autor: Vera Filipova